Die Rache des Analogen

Die Digitalisierung wird übertrieben, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Das Analoge wird künftig gleichberechtigt neben dem Digitalen existieren. Erfahren Sie, warum der analoge Trend zu unserem Konzept passt.

Digital vs. Analog
Digital vs. Analog (Bildquelle: geralt, pixabay.de)

Der Trend zur Digitalisierung wird übertrieben. Dieser Auffassung ist der berühmte deutsche Trendforscher Matthias Horx in einem Interview des Südkurier in der Ausgabe vom 03. Januar 2018.

 

Er hält nichts davon, die Digitalisierung als den großen Erlöser der Menschheit zu verherrlichen. Dort, wo Digitalisierung übertrieben werde, würde sie scheitern. Die Riesen der Branche kämen in den nächsten Jahren in die Krise. Apple, Facebook, Google & Co. scheiterten auf Dauer an dem Zwang, Monopol-Strukturen durchsetzen zu wollen.

 

Jeder Trend erzeuge einen Gegentrend - Matthias Horx muss es wissen, er ist einer der renommiertesten Zukunftsforscher in Europa. Je mehr digitalisiert werde, umso mehr sehnten sich Menschen nach realen Dingen, Sachen zum Anfassen. Zum Beispiel boomen zurzeit einfache, mechanische Lichtschalter die "klick" machen. Vinyl-Schallplatten, Holz und regionale Lebensmittel feiern zurzeit ein Comeback. Horx nennt dies die "Rache des Analogen".

 

Das Bedächtige, Langsame und Geruhsame sei unter Umständen trendiger als das Schrille, Schnelle und Bunte: Es gäbe eine Gegenbewegung zur Neuen Achtsamkeit. Zwangsläufig, weil: Jede Debatte - zum Beispiel in Talkshows -  werde zur Existenzfrage aufgebauscht, um sich noch Gehör verschaffen zu können im Meer des Schrillen, der Dekadenz und Übertreibungen. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe und Überschaubarkeit.

 

Interessant dies von einem Trend- und Zukunftsforscher zu hören. Lesen Sie unsere Artikel zu den Themen Langsamkeit und Achtsamkeit, Vereinfachung des täglichen Lebens und Entspannung. Die Digitalisierung wird voran schreiten, sie wird jedoch nur einer von vielen Aspekten des menschlichen Lebens werden - weil Menschen analog funktionieren und das Einfache, Langsame und Analoge zum Überleben brauchen.

 

Buchtipp zum Thema:

Der Autor David Sax hat ein Buch geschrieben, das sich mit der Rückkehr von Vinyl-Schallplatten, Brettspielen und Handarbeit beschäftigt. Eine kurzweilige und unterhaltsame Analyse der Technikutopie vom Digitalen. Das Buch trägt den Titel "Die Rache des Analogen" und ist die passende Ergänzung der Horx'schen Aussagen.

 

Schneller, effizienter, günstiger - der Triumphzug des Digitalen scheint unaufhaltsam. Alles, was digitalisiert wird, macht eine alte Technik überflüssig und führt sie der Vergessenheit zu. Ein klar strukturiertes, sauberes und fehlerfreies Leben in einer Welt, die in Bits und Bytes abgebildet ist.

 

So schien es. Seit ein paar Jahren explodieren die Verkaufszahlen analoger Schallplatten, Brettspiele erzielen Absatzrekorde, Handarbeit und Baumärkte florieren. Die Sofortbild-Kamera macht wieder analoge Schnappschüsse. Totgesagte leben länger.

 

Sax vertritt die These, dass die Rückkehr, die Rache des Analogen aus dem Grund stattfindet, weil die digitale Technologie perfekt, gut und sauber ist. Der Mensch ist dafür ausgelegt, Dinge mit all seinen Sinnen zu erleben - er sehnt sich über kurz oder lang nach analogen Erfahrungen. Durch den Umweg der Digitalisierung erkennen wir auf lange Sicht, wer wir sind und wie wir funktionieren.

 

Die reale Welt kennt kein Bit und Byte, kein schwarz und weiß, kein ja und nein. Sondern Millionen Abstufungen dazwischen. Die technologische Evolution ist nicht absolut. Wie sagt der Dude in The Big Lebowski: "Ich wichse aber immer noch mit der Hand."

 

David Sax: "Die Rache des Analogen - Warum wir uns nach realen Dingen sehnen" Residenz-Verlag, Salzburg - Wien 2017, 316 Seiten, 24,00 Euro.


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