Wir sind dauergestresst und verspannt

Entspannter leben

Wie Sie sich mit Entspannungsmethoden konzentrierter und zufriedener fühlen, Verspannungen lösen und zu mehr Gelassenheit kommen können. 

Jeder Mensch ist in seinem Tagesablauf einer Reihe von Stressoren ausgesetzt. Unsere Umwelt wird in vielen Dingen anspruchsvoller und unübersichtlicher. Reize und Informationsüberflutung von außen nehmen in unserer komplexen Gesellschaft stark zu.

 

Stressoren (= äußere Reize, die Stress auslösen) können sein:

  • Umwelt (zum Beispiel starker Lärm, große Hitze).
  • Ängste (bspw.  Angst vor der Zukunft, vor Jobverlust).
  • Über- bzw. Unterforderung im Job und im Privatleben.
  • Termin- und Zeitdruck.
  • Hierarchien im Job (Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten und Kollegen).
  • Informationsdefizite und Unerfahrenheit (werden im Job und privat für Mobbing missbraucht).
  • Vorurteile (erzeugen in Situationen, in denen die eigene Einstellung nicht stimmig ist, Stressreaktionen).
  • Gewalteinwirkung, Verletzungen.

Jeder Mensch ist einzigartig und bis zu einem gewissen, individuellen Grad fähig, ungesundem Stress (= Distress) zu widerstehen. Dies nennt man Resilienz. Werden die Belastungen zu groß, kann es schnell zu negativen Auswirkungen in folgenden Bereichen kommen:

  • Emotional (zum Beispiel Gereiztheit, Wut, Trauer).
  • Verhalten (bspw. Unkonzentriertheit, Desinteresse und Antriebslosigkeit, Aggression).
  • Körperlich (zum Beispiel Kopf- und Magenschmerzen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und vieles mehr).
  • Kognitiv (bspw. Gedächtnisstörungen wie Gedächtnislücken und Wortfindungsstörungen).

Diese Reaktionen sind prinzipiell eine natürliche Reaktion und ein Erbe unserer Vorfahren: Sie mussten früher in gefährlichen Situationen entweder flüchten, kämpfen oder zur Salzsäule erstarren. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen wird der Körper in die Lage versetzt, die passende Handlung umzusetzen.

 

Das Problem ist, dass es uns heutzutage körperlicher Bewegung mangelt: Die schnell ausgeschütteten Hormone werden zu langsam abgebaut. Körper und Psyche - vom Herz angefangen bis hin zum Verhalten - kommen vor allem bei Dauerstress durcheinander. Typische körperliche Symptome sind Schlafstörungen und Verspannungen. Unter bestimmten Rahmenbedingungen, wie zunehmender Depersonalisierung, kann das Ganze zu einem heftigen Burn-out führen.

 

Empfehlungen zum Thema Entspannung:






Stress abbauen und bewältigen:

Am besten ist es, die Ursachen von Stress zu beseitigen, den "kranken Zahn" radikal zu ziehen: Wohnen Sie an einer lärmenden Autobahn , ist ein Umzug in einen anderen Ort denkbar. Einfacher gesagt als getan. Selten gelingt es, Ursachen komplett zu beseitigen, zumindest nicht auf die Schnelle. Hier setzen Methoden und Techniken an, die den Umgang mit Stress verbessern und dadurch bedingte Anspannungen abbauen helfen.

 

Passive Entspannungsmethoden basieren im Wesentlichen auf körperlicher Tätigkeit und Bewegung. Wer regelmäßig Sport macht, joggt, tanzen oder im Alltag viel spazieren geht, lenkt sich ab: Der Geist wird auf die veränderte Umwelt fokussiert, die Gedanken schweifen ab. Körperlich führt Bewegung beim Übergang in die Ruhephase zu einer Reduzierung des Muskeltonus. Man fühlt sich zufriedener und entspannter als ohne vorangegangene Bewegung. Im Prinzip können Sie, falls Sie völlig passiv sein wollem, auch eine kulturelle Veranstaltung besuchen, ein Hörbuch hören und ins Kaffeehaus sitzen.

 

Aktive Entspannungstechniken setzen an Bewegung, andrerseits an Meditation an. Das Problem "Stress" wird gezielt fokussiert und mit einer speziellen Technik aktiv angegangen. Beispiele sind das Qi Gong und das Tai Chi. Es handelt sich um fernöstliche, meditative Bewegungsformen zu Steigerung der Konzentration. Yoga und Shiatsu gehören zu diesen Methoden, wobei das meditative Element hier noch stärker in den Vordergrund rückt.

 

Die zwei wichtigsten aktiven Entspannungsmethoden, deren Wirkung klinisch nachgewiesen ist, sind einfach anzuwenden. Sie werden aus diesem Grund zum Beispiel gerne in Reha-Kliniken zur Therapie eingesetzt:

  • Die progressive Muskelentspannung (PME) nach Edmund Jacobson: Bei dieser simplen Technik werden in einer bestimmten Reihenfolge Muskelpartien angespannt und anschließend gelockert. Der Entspannungseffekt ist in vielen Untersuchungen nachgewiesen worden. Entscheidend bei der PME ist das Steuern und Empfinden der An- und Entspannung.
  • Das autogene Training: Hier wird die Macht der Gedanken zur Selbstsuggestion genutzt. Gedanken bewirken Nervenimpulse, die bei einer Fokussierung auf ein Körperteil dort zum Beispiel die Durchblutung verbessern. Dies hat eine Lockerung der Muskulatur zur Folge.

Atemübungen, Fantasie-Reisen, Hypnose und Meditationstechniken wie Zen sind weitere populäre Möglichkeiten, das "Abschalten" zu erlernen.

 

Für viele Methoden gibt es Anleitungen zum Selbststudium. Um nachhaltige Erfolge zu erzielen ist es zu empfehlen, die Techniken unter professioneller Anleitung zu erlernen. Volkshochschulen, Sportvereine und Krankenkassen bieten eine große Anzahl solcher Kurse an.

 

Stimmen Sie als erstes mit Ihrem Arzt ab, welche Entspannungsmethode für Sie die passendste ist. Fragen Sie bei ihrer Krankenkasse nach, was für Gesundheitskurse sie fördert. Dies können hauseigene Kurse sein, alternativ werden gerne solche von Volkshochschulen, Sportvereinen und zertifizierten, freien Therapeuten bezuschusst. Sie erhalten auf diese Weise das Rüstzeug, eine Entspannungsmethode zu beherrschen und selbständig anzuwenden.

 

Wichtig ist, dass Sie Entspannung regelmäßig, d.h. täglich, üben, am besten zu einer festgelegten Zeit in einem ruhigen Raum.

 


Ihr Weg zu mehr Gelassenheit:

Ziel ist, in stressigen Situationen gelassener zu reagieren. Regen Sie sich nicht so schnell auf. Bauschen Sie nicht alles zum unlösbaren Problem auf. Seien Sie toleranter mit der Umwelt. Schaffen Sie das, erholen Sie sich nach stressigen Zeiten schneller und besser.

 

Den problematischen Zahn zu ziehen, Entspannungsmethoden anzuwenden und körperliche Aktivitäten im Alltag zu fördern sind ein Ansatz. Überprüfen Sie zusätzlich Ihre eigene Einstellung: Setze ich mir zu hohe Ziele? Muss ich alles mitmachen, was mir die Umwelt suggeriert?

 

Das Ganze ist in einem komplexeren Zusammenhang zu sehen: Gesündere Ernährung, mehr Langsam- und Achtsamkeit, Vereinfachung der Lebensumstände: Die Abgrenzung von der gesteuerten Umwelt ist möglich.