Weniger ist mehr

Leben vereinfachen

Wie Sie Ihr Leben ausmisten, einfach leben und auf diese Weise Zeit sowie Geld sparen können. Beim Trend zum Minimalismus bestimmen Sie, wie weit Sie gehen.

Unser Ballast, unser Leben:

Der durchschnittliche Deutsche besitzt rund 40.000 Gegenstände, von der Reißzwecke übers Hemd bis hin zum Auto. Eine beachtliche Menge, oder nicht? Von vielen Dingen besitzen wir viele doppelt und dreifach. Oftmals wissen wir nicht, dass wir sie noch haben ... wir vermissen und brauchen sie nicht.

 

Viele dieser Dinge schwirren uns im Kopf herum und binden mentale Ressourcen: Wo finde ich was? Was muss ich wann entsorgen? Was muss ich in meinem Haushalt organisieren? Die Konsumwirtschaft suggeriert, in Konkurrenz zu Mitmenschen treten zu müssen: Wir sollen sie bei Dingen, die wir anschaffen, übertrumpfen. Haben als Sein, als Sinn ... ist das der Sinn des Lebens?

 

Einfach leben und glücklich sein
Es liegt an Ihnen: Glücklich sein mit weniger (Bild: jill111, pixabay.de)

Wir werden überhäuft mit schnelllebigen Informationen. Lärm beherrscht unsere "moderne" Umwelt. Hektik und Druck prägen die Arbeitswelt. Das alles wird als "normal" und "unumgänglich" postuliert und ist umsonst zu haben. Auf der anderen Seite sind Stille und Klarheit Besonderes, für das manche Leute im Kloster Geld bezahlen.

 

Wir kennen unsere Bedürfnisse der vielfältigsten Art im Grunde gut, stehen der Logik der Waren- und Konsumwirtschaft aber machtlos gegenüber. Wir kapitulieren unbewusst. Der berühmte Schweizer Soziologe Jean Ziegler zitiert in seinem Buch "Ändere die Welt" Herbert Marcuse: Unsere Freiheit und die Toleranz des Systems uns gegenüber endet an den Grenzen der Warenwirtschaft. "Wer immer etwas fordert oder tut, was das Funktionieren dieses Systems infrage stellt, wird sofort aus der Diskussion ausgeschlossen" (1).

 

Wir haben trotz allem die Möglichkeit, eine Menge von dem Ballast, den wir umhertragen, zu verringern und mehr Freiheit und Glück zu erkämpfen. Minimalistisch leben kann eine Perspektive sein.

 

Mehr Literatur zum Thema:





Ziele und Methoden:

Das Ziel des Minimalismus sollte sein, insgesamt eine Überschaubarkeit des Lebens wiederherzustellen, materiell und psychisch.

 

Ein erster Ansatz zum Beispiel ist, die Wohnung und den Kleiderschrank in Intervallen auszumisten und sich von Überflüssigem zu trennen. Werfen Sie die Sachen nicht weg, sondern überprüfen Sie, was Sie gegebenenfalls verschenken können: Das gibt ein positives Gefühl. Bewerten Sie die Dinge bei solchen Aktionen neu und messen Sie ihnen bei Bedarf einen neuen Wert bei. Was einen hohen Wert für Sie hat, behalten Sie.

 

Schaffen Sie Neues an, sorgen Sie dafür, dass im Gegenzug zwei alte Sachen aus Ihrer Wohnung fliegen. Sie reduzieren auf diese Weise mit der Zeit ganz nebenbei die Anzahl der Dinge, die Ihnen im Weg umgehen. Und Sie verschaffen sich mehr Überblick. Minimalismus kann aus dieser Perspektive betrachtet gut für die Umwelt sein. Grundsätzlich gilt: Sind Sie gut organisiert, brauchen Sie weniger Sachen.

 

Sie reduzieren mit solchen Maßnahmen die Menge an Informationen, die auf Sie einprasselt und die zu verarbeiten ist. Sie haben weniger "Überflüssiges" im Sichtfeld. Hier gehen wir langsam auf die psychische Ebene über.

 

Abhängigkeitsverhältnisse und Beziehungen sind zu überprüfen: Wer sind echte Freunde, was ist nur Ballast, zum Beispiel auf Facebook? Muss ich an allen Aktivitäten anderer teilhaben? Wer sind Energieräuber unter Arbeitskollegen, Bekannten und Freunden? Sollten Beziehungen gekappt werden?

 

Das Tagesgeschehen sollte bewertet werden: Brauche ich all die Informationen aus verschiedensten Nachrichtenkanälen? Reicht es nicht, um auf dem Laufenden zu bleiben, mir wöchentlich komprimierte Informationen zu holen, zum Beispiel in Form eines abonnierten Wochenrückblickes?

 

Brauche ich drei Mobilfunkverträge und einen Kredit für eine neue Sitzgruppe, nur weil Freunde sich eine angeschafft haben? Hier entstehen schnell Abhängigkeiten finanzieller Natur, die ggfs. noch mehr Druck auf Sie erzeugen.

 


Ergebnis:

Je weniger wir abgelenkt sind, je weniger Informationen uns bestimmen und verwirren, desto mehr haben wir den Blick fürs Wesentliche: Familie, Freunde, die unmittelbare Umwelt und ihre Geschehnisse. In sozialen Beziehungen ist ein Rahmen für Kontinuität, Verlässlichkeit und Zufriedenheit zu finden.

 

Einfach leben, minimalitisch wohnen, loslassen und glücklich sein ist umsetzbar. Es könnte gut sein, dass Sie stressfreier, glücklicher und gesünder werden. Holen Sie sich Inspiration mit der empfohlenen Literatur. Wie weit Sie bei der Vereinfachung Ihres Lebens gehen, bleibt alleine Ihnen überlassen: Sie bestimmen alles, Sie haben es in der Hand.

 

 

Quellen:

(1) Ziegler, Jean: Ändere die Welt. Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen. Penguin, München 2014, S. 117f.